Reiner “Fuell mich”: Der Billionen-Euro-Schwindel um Corona

800 Euro als Eintrittskarte für den versprochenen Geldregen

Wer als Geschäftsinhaber, Friseur oder Gastronom Einbußen während der Lockdowns hatte, sollte gemeinsam mit Fuellmich klagen. Er verlangte 800 Euro plus Mehrwertsteuer als Vorleistung und versprach den Mitklägern einen Anteil aus dem späteren, gigantischen Schadensersatz. Eine “Class Action”, also eine Sammelklage in den USA, sollte schließlich das ganz große Geld bringen. Dabei werden gleich gelagerte Fälle Tausender oder gar Millionen Geschädigter zusammengefasst, statt für alle getrennt Einzelverfahren anzustrengen. Der auch in Kalifornien als Rechtsanwalt zugelassene Fuellmich warf sich mit breiter Brust in das Thema, mit dem er ein wenig Erfahrung hat: Er vertrat eine Deutsche, als ein US-Unternehmen 1998 nach einer Sammelklage 3,2 Milliarden Dollar für Frauen bereitstellte, die durch Brustimplantate gesundheitlich geschädigt worden sein könnten. Sie war eine von mehr als 1.000 Betroffenen, die sich der eigentlichen Klage von acht Frauen mit typischen Fällen anschlossen. Und der Corona-Schadensersatz, so Fuellmich im September 2020, sei ein “supergeiler Fall”, der “vom materiellen Recht her gigantische Erfolgsaussichten” habe, auch in Deutschland. Allerdings gebe es in Deutschland das Problem, dass Richter gegen ihren Dienstherrn entscheiden müssten. In den USA sei das Beweisrecht deshalb hundertmal besser. Dort laufe ja auch schon was: “Wenn es schon läuft, muss es funktionieren. Keine große kanadische oder amerikanische Anwaltskanzlei ist so bescheuert, eine Klage anhängig zu machen, die keine Aussicht auf Erfolg hat.”Corona-Ausschuss: In der Besetzung Viviane Fischer und Reiner Fuellmich kannten Zuschauer das Format, hinter dem eine Firma der beiden steht. Nun gehen sie getrennte Wege. (Quelle: Screenshot Odyssee/Corona Ausschuss)Und Fuellmich warb noch auf einer anderen Plattform mit großer Reichweite: Er gehörte bis August dem “Corona-Ausschuss” an, der “Aufarbeitung” der Pandemie versprach. Dafür wurde in inzwischen mehr als 120 mehrstündigen Sitzungen so ziemlich jeder ausschweifend befragt, der mit wissenschaftlichem oder pseudowissenschaftlichem Hintergrund Zuschauern Corona-Kritik liefern konnte. Eine in der Szene gefeierte “Aufklärung”. Einer seiner prominentesten Mitstreiter war der Arzt und frühere SPD-Politiker Wolfgang Wodarg, der Steuerberater Stefan Homburg wurde zur Gründung als ein Vorstand genannt, sagte aber nach seiner Darstellung ab, Co-Ausschuss-Vorsitzende war die Berliner Anwältin Viviane Fischer.Heute warnen Wodarg und Fischer vor Fuellmich. Doch dazu später mehr.

“Man wundert sich, wie naiv Firmenchefs sind”

Fuellmich schürte kräftig die Erwartungen. Seine Ankündigung wurde auch in andere Sprachen übersetzt. Fuellmich träumte von Klägern in aller Welt, wollte Anwaltskollegen im Ausland unterstützen, damit diese auch Kläger einsammeln können. Er sprach in einem Interview davon, es gehe um Billionen Euro. Natürlich müsse der Steuerzahler dafür aufkommen, aber das sei billiger, als die Unternehmen alle pleitegehen zu lassen. Klagewillige standen Schlange, überwiegend Unternehmer, die Geld oder die Chance sahen, Corona-Regeln zu kippen. “Man wundert sich, wie naiv auch Geschäftsführer sein können”, sagt der Hamburger Anwalt Thorsten Bölck. “Sie wollten etwas hören, und das hat er ihnen gegeben, weil er ein Feindbild genährt und bedient hat.” Diese Erfahrung machte Bölck, nachdem er mit Fuellmich-Mandanten gesprochen hatte, die weiter zur Sammelklage und ihrem Ideengeber stehen.

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