Wird Lula zum Retter des Amazonas?


Denn die Bilanz des rechten Populisten ist verheerend: Unter ihm erreichte die Abholzung im brasilianischen Teil des Regenwaldes ein Ausmaß, wie es seit 2006 nicht mehr verzeichnet wurde.Bolsonaro sieht im Regenwald vor allem eines: ungenutztes wirtschaftliches Potenzial. Er will noch mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Kritiker werfen Bolsonaro vor, er schaffe ein gesellschaftliches Klima, in dem sich Bauern zu illegaler Landnahme für ihre Weiden und Felder ermutigt fühlen – Landwirte gehören zu seiner Wählerbasis. Die Rechte der indigenen Bevölkerung wurden hingegen immer weiter verletzt und eingeschränkt.In den fast vier Jahren seiner Amtszeit schwächte der Amtsinhaber systematisch die Umwelt- und Kontrollbehörden. Als 2019, zu Beginn seiner Präsidentschaft, das nationale Institut für Weltraumforschung auf Grundlage seiner Satellitenüberwachung darauf hinwies, dass die Abholzung im Amazonas stark zugenommen hatte, behauptete Bolsonaro kurzerhand, die Daten seien manipuliert. Schließlich feuerte er den Chef der Behörde.

Die letzten Jahre des Regenwalds?

31.000 Quadratkilometer fielen in Bolsonaros Amtszeit den Kettensägen und gelegten Bränden zum Opfer – eine Fläche, so groß wie Belgien. Dabei warnen Forscher schon jetzt: Das fragile Ökosystem des Amazonas könnte vor seinem Kipppunkt stehen, an dem sich der Regenwald zur Savanne wandelt. Pessimistischere Schätzungen gehen davon aus, dass dies bereits bei 20 bis 25 Prozent Abholzung geschehen könnte. 15 Prozent des Waldes sind schon jetzt gerodet, im brasilianischen Teil sind es 19 Prozent. Kippt der Amazonas, hätte das fatale Folgen für die ganze Welt: Der Regenwald ist eine riesige Kohlenstoffsenke – das heißt, in den Pflanzen dort sind Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Sterben die Bäume oder verbrennt der Wald, werden sie als CO2 freigesetzt. Diese würden zur weiteren Erderhitzung beitragen und die Klimakatastrophe noch schneller vorantreiben. “Jair Bolsonaros Politik ist wie Gift für den Amazonas”, fasst Roberto Malnonado von der Naturschutzorganisation WWF zusammen. “Die Brasilianer entscheiden bei der Wahl also neben ihrer eigenen Zukunft auch über die des Weltklimas.”

Lula gelobt die Kehrtwende

Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Gegenkandidaten: Luiz Inácio da Silva, meist nur genannt bei seinem Spitznamen – Lula. Er ist kein Unbekannter, saß bereits von 2003 bis 2010 im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Brasilia. Seine ersten Amtszeiten sind vielen Brasilianern in guter Erinnerung: Er modernisierte die Volkswirtschaft, verbesserte mit Sozialprogrammen die Lebensbedingungen Millionen armer Brasilianer.

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